|
Suern Hansen gab sein Bestes |
Von März oder Vorfrühling am Sonnabend keine Spur. Aber, Insider meinen: Zum Suern-Hansen-Markt in Perleberg muss das Wetter so sein - sonst würde ja der Knieper nicht schmecken.
PERLEBERG - Als der Knieperfuchs, alias Horst Fenske, Inhaber des Restaurants "Deutsches Haus" aus Pritzwalk, sich seinen rot-braunen Pelz überstreifte, war das Wetter bereits einigermaßen erträglich. Die Regenwolken hatten sich verzogen, immer mehr Menschen strömten auf den Großen Markt. An allen Ecken und Enden duftete es lecker, nach deftigen Spezialitäten - zum Sofort-Essen und zum Mitnehmen. Das Prignitzer Nationalgericht gab es zudem in Konserven und Abwandlungen, wie Kniepersalami, Knieperschmalz und Kniepersülze. Inmitten der Suern-Hansen-Köche: Waldemar Bahl, Fischer aus Retzin, und Manfred Kablitz, sein Helfer aus Perleberg, mit Räucherfisch. Sie sind zum ersten Mal beim Suern-Hansen-Markt dabei. Fisch zum Knieper? Das geht doch gar nicht. "Da haben Sie eigentlich Recht, aber man kann den Fisch ja vor der Kniepermahlzeit essen", sagt Bahl. "Oder danach", ergänzt Kablitz. Hundertprozentig zufrieden waren die beiden am späten Vormittag mit dem Absatz noch nicht, obwohl es sehr lecker schnupperte aus dem Räucherofen.
Fisch und Knieper - gewöhnungsbedürftig, ebenso wie Crêpes und Knieper oder Speiseeis und Knieper. Verkostet wurde am Sonnabend jedoch alles, ohne Ausnahme. Notfalls konnte man ja mit Knieperschnaps nachspülen.
Auch Menschen, die die Kohlmischung eigentlich rundheraus ablehnen, konnten sich nicht ins Abseits stellen. Wie eine Perlebergerin, die ihren Namen nicht sagen wollte, "weil mich hier alle kennen." Knieper, meint sie, das sei wie Silage, womit die Dame, was den Herstellungsprozess angeht, ja nicht ganz falsch liegt. Am Stand des "Deutschen Hauses" wurde sie dann so lange bearbeitet, bis sie doch mit gespitzten Lippen eine kleines Portiönchen in den Mund schob. Das soll ja schließlich der beste Suern Hansen, so eine plattdeutsche Bezeichnung des Kniepers, der ganzen Region sein. Und? "Hm, schmeckt anders, aber trotzdem nicht mein Ding." Vielleicht wird’s ja noch. Knieper, das Arme-Leute-Essen, ist schließlich keine Liebe auf den ersten Blick.
Toleranz gehört dazu, wenn man auf den Perleberger Suern-Hansen-Markt geht, dem Wetter gegenüber, dem Essen und dem Rahmenprogramm, den "fast olympischen Winterspielen". Die haben jetzt nicht direkt etwas mit der Prignitzer Nationalspeise zu tun, außer dass man den zuvor verzehrten Knieper vielleicht bei Zwergenbiathlon, Curling oder Bobfahren schneller verdaut. Aber ohne die spaßigen Wettkämpfe würde etwas fehlen, ohne Versteigerung - ebenfalls vom Veranstalter, der Firma Redtel, organisiert - der Suern-Hansen-Markt an Anziehungskraft einbüßen.
Immerhin eröffnet die Rolandstadt mit diesem Event den Freiluftveranstaltungsreigen eines jeden Jahres. Stets auf die Gefahr hin, dass das Wetter so mies ist, dass man wirklich keinen Hund vor die Tür jagen möchte. Auch der Knieperfuchs aus der Knieperhauptstadt Pritz walk. Weiterführende Links
hat seinen Spaß. Auf die Frage, ob es nicht angemessener wäre, das Fest in die Dömnitzstadt zu verlegen, antwortet er: "Nein, das ist hier schon ganz okay. Die Perleberger machen das gut." Der schlaue Fuchs, der schon viele kreative Kohl-Ideen entwickelte und umsetzte - er muss es einfach wissen.
Fotos: hier Quelle: Der Prignitzer |
|